agata góralczyk : texte

Schuld


Ein älterer Mann steht am Pissoire eines schäbigen Diner-Klos. In einer der Kabinen hinter ihm sitzt ein junger Mann, die Unterarme blutend und aufgeschlitzt. Von irgendeiner Macht beherrscht (in genialer Thrillermanier in Szene gesetzt) stürzt er sich auf den Nichtsahnenden, der gerade sein Geschäft verrichtet hatte und tötet ihn mit zahlreichen Messerstichen.

Und jetzt bin ich am Zuge. Denn es handelt sich um ein Videospiel, ein ungewöhnliches allerdings. Während ich also die Kontrolle über den verwirrten Täter erhalte, wird der Innenraum des Diners eingeblendet: Ein Cop sitzt dort über seinem Kaffee und die Zeit rennt mir davon. Schweiß tritt mir auf die Stirn, meine Finger rutschen über die Steuerungstasten, ich bin aufgeregt und tue das, was wahrscheinlich jeder normale Mensch tun würde: Ich renne blutend und planungslos ins Diner und dem Cop in die Arme.

„An dieser Stelle endet meine Geschichte. Für die Cops war ich der Täter und so erfuhr ich nie, was wirklich geschehen war.“ Mit diesem Kommentar verabschiedet sich der Protagonist. Ich kann es natürlich nochmal versuchen, etwas Überlegteres tun, z.B. die Spuren verwischen.
„Game over“ taucht aber in Fahrenheit nie auf. Denn das ist kein Spiel hier, und doch eines der Besten seit Langem.

Wohin kann Schuld einen Menschen treiben? Was passiert, wenn unser Leben komplett aus allem geworfen wird, was wir als wahr ansahen? Was sind wir bereit zu tun, um die Wahrheit herauszufinden? Was ist die Wahrheit?



Kommentar verfassen

noch mehr: rss | email | twitter