agata góralczyk : texte

Gewalt

Bin ich ein gewalttätiger Mensch, wenn ich Karate betreibe? Sagt die Tatsache, dass ich einen anderen Menschen in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ggf. schwerst verletzen könnte, irgendetwas über mich aus?

In Schweden wird an einem Gesetz zum Verbot von Kampfsport gearbeitet. Ist Fechten ein Kampfsport? Was ist mit Tai Chi? Mit Judo? Wo ist die Grenze zwischen Gewaltverherrlichung, Gewaltbereitschaft und Kampfsport, Kampfkunst?

Wenn ich mich selber als Pazifistin sehe und für Gewaltfreiheit eintrete, darf ich dann Kampfsport betreiben? Ist jemand, der aus Gewissensgründen den Wehrdienst verweigert hat und gleichzeitig einen Kampfsport ausübt, ein Hypokrit?



Eine Antwort zu “Gewalt”

  1. Anonymous sagt:

    Gegenfrage: Bist du gewalt-tätig? Neigst du dazu, dein Kampfwissen gern und/oder häufig einzusetzen? Oder bleibt es nach Möglichkeit im Dojo, wo man darauf achtet, sich möglichst wenig zu verletzen?

    In meinem Weltbild unterscheide ich zwischen Gewalttätigen, Soldaten und Kriegern.
    Gewalttätige müssen gar nichts können oder gelernt haben, um gerne Gewalt anzuwenden. Ihr Markenzeichen ist die Freude daran.

    Soldaten haben gelernt zu kämpfen, sind allerdings in ihrer Entscheidungsgewalt so eingeschränkt, dass es nur schade um sie ist. Ihr Markenzeichen ist Gewalt auf Befehl. Im Besten Fall stehen sie ihr indifferent gegenüber.

    Krieger sind nicht prizipiell ausgebildete Kämpfer, aber sehen sich als alleinverantwortlich für ihre Taten und vermeiden den echten Kampf, wo es geht. Der wahre Krieger ist der letzte, der in den Kampf einsteigt. Aber dann wächst da kein Gras mehr. Sein Markenzeichen ist es, die Gewalt zu verabscheuen.

    Meiner Erfahrung nach ist der Krieger davon das wertvollste Mitglied seiner Gesellschaft. Denn den Soldaten fällt es aus ihrer Stellung heraus schwer, Krieger zu sein, auch wenn es lobenswert ist, wenn sie es denn schaffen. Die Gewalttätigen werden es praktisch nie. Dazu bräuchten sie ein sehr einschneidendes Erlebnis.

    Der Krieger steht dem Pazifisten jedenfalls am nächsten von allen dreien. Und gänzlicher Pazifismus – im Sinne von Sterben (lassen) statt Kämpfen – halte ich für weltfremd.

    Du wirst wissen, was davon du bist.

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