agata góralczyk : texte

die lokomotiven meiner kindheit

die lokomotive meiner kindheit
steht im ölschweiß
groß und schwer
heute ist sie menschendampf
und sorgenmeer

die lokomotiven meiner kindheit
strahlten fröhlich
verhießen glück
heute abgehetzt, gebeugt
trotten nur noch mit

die lokomotiven meiner kindheit
pflügten die zukunft
dampften um die wette
heute zögern sie
und fürchten die gesetze

die lokomotiven meiner kindheit
waren helden
zauberten meine welt
heute fürchten sie zu verlieren
was mich bei ihnen hält

die lokomotiven meiner kindheit
leuchteten wundersam
staunend in den tag
heute nehmen sie geheimnisse
greisenhaft ins grab



4 Antworten zu “die lokomotiven meiner kindheit”

  1. Jasper sagt:

    Hi –

    das ist sehr gut, aber es könnte noch besser sein, finde ich. Warum der Wechsel vom Präsens zum Imperfekt von Strophe eins zu zwei? An einigen stellen kürzt du Worte, um den Rhythmus zu halten: „zauberten meine Welt“ oder „nehmen…ins Grab“, das wirkt etwas unelegant. An einigen Stellen erschliesst es sich mir auch nicht völlig – kann man etwas „greisenhaft mit ins Grab nehmen“?

    Kleine (und vielleicht: kleinliche) Bedenken: Trägt das durchgehaltene Scheme das recht lange Gedicht? Und könnte man die Steigerung vom Mittrotten bis zum Grab noch etwas stärker machen?

    Trotzdem ein sehr schönes Gedicht, vom Grundeinfall über den Aufbau, Klang und Wortwahl. Ich freue mich schon auf das nächste!

    P.S: Gedichte von mir gibts in meinem Blog hier:

    http://jassiblog.blogspot.com/2006_06_01_jassiblog_archive.html

  2. Thalamus Grondak sagt:

    Gefällt mir.
    Aber warum so entgültig?

  3. Agata sagt:

    @Thalamus
    Warum endgültig.
    Weil wohl die Kindheit und ihre ‚Lokomotiven‘ so nicht mehr zu sehen sind. Die Augen des Kindes sind anders und 20, 30 Jahre Lebenserfahrung verändern den Blick.

  4. Agata sagt:

    @Jasper
    Ich hatte als Kind ein Lieblingsgedicht: Die Lokomotive von Julian Tuwim. Hier eine Übersetzung ins Englische: http://www.poemhunter.com/poem/the-locomotive/

    Ich habe versucht meines an das anzulehnen; und bin daran gestolpert. Das konnte aus verschiedenen Gründen nicht funktionieren und die Brüche sind zum Teil durchaus gewollt. Sie ergeben sich für mich aus der Herangehensweise und dem Thema.

    Das Präsens ist der alten Lokomotive noch sehr nah, das Imperfekt ist ein Bruch, aber einer der der Gegenwart mehr entgegen kommt.
    Ähnlich die Verkürzungen um den Rhythmus zu erhalten. Das unelegante Stolpern ist der ungelenke Versuch an eine Zeit vor über 20 Jahren anzuknüpfen.

    Trotzdem ist das Ding holperig, wie Du sagst. Vielleicht funktionieren diese Gedichte einfach nicht mehr für mich… 🙂

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