agata góralczyk : texte

ehre

zwischen trauerweiden
steht sie
wringt die groben hände
im schoß

unter
dem stahlhimmel
übt sie demut
beim
niedergang der sonne
geht sie
steigt zu ihren söhnen hinauf

über
stein
blut
marmor

sie weiß sie nicht:
die schweren stiefel
die löchrigen mäntel

dem
stolz
zollt sie kniefälle

sie zählt sie nicht:
im steppenschnee
erfrorene knochen

den
sorgen
setzt sie kriegerlorbeer auf

sie achtet ihn nicht:
den müden heldenmut

nur noch
macht

versteinert sie zu tränen


7 Antworten zu “ehre”

  1. Tatze sagt:

    Hi –

    – sollte es nicht „Ruhm“ heissen? Nee, ich glaub Du weißt was Du tust 😉
    – beim dritten Absatz: „sie weiß sie nicht“ klingt etwas stolprig, vielleicht eher „sie kennt sie nicht“
    – letzter Absatz: Du bist in den beiden vorhergehenden Absätzen sächlich (Stiefel, Schnee usw.) und schwenkst dann zu einer Eigenschaft (Heldenmut) wobei Du in den abschließenden Teilen der Absätze den eingeschlagenen Rhythmus bei behältst
    – „… versteinert sie zu tränen“ – schon sehr surrealistisch, ob das so passt …

    Ansonsten habe ich immer das Denkmal im Kopf und sehe die trauernde Mutter aus Stein (im Treptower Park, Berlin), wenn ich das Gedicht lese, kann mich da schwer lösen. Finde das Gedicht ansonsten aber sehr gut, warte auf das nächste 🙂

  2. Agata sagt:

    Danke für Deinen Kommentar!

    Das Gedicht scheint mein Erleben ganz gut wiederzuspiegeln. Ich habe bei der trauernden Mutter angefangen und bin dann in Wortbildern den ganzen Weg bis zum Hügel und zur Figur gegangen. Auf dem Weg habe ich meine Gefühle mitgenommen und bis zum Abschluss entwickelt.
    Was den Titel angeht: Zunächst hatte ich als Arbeitstitel Soldatenmutter bzw. Soldatenehre; über Ruhm habe ich auch nachgedacht. Aber die Ehre ist viel schlimmer; weil man sie mit Selbstachtung verwechseln kann.

  3. Tatze sagt:

    Mir geht es bei der „Ehre“ ähnlich: sie wird zu sehr missbraucht, um Personen mit einem diffusen Bild ihrer selbst und der sie umgebenden Welt zu Dingen zu zwingen, die sie ohne „Ehre“ nie täten.
    Für ein paar Momente glaubte ich auch, die Ehre selbst würde über den Platz schreiten; auch kein uninteressantes Bild.

  4. Agata sagt:

    Spannend, wenn sie so über den Platz geht. Was sie wohl daraus macht?
    Kannst ja doch Gedanken lesen ;).

  5. Lukas sagt:

    Ist ja schön zu sehen dass unser kleiner Ausflugstip so einen Eindruck hinterlassen hat.

  6. Tatze sagt:

    Allerdings, das hat er! Wir haben uns dort und danach recht intensiv über diesen Ort unterhalten. Da wir in verschiedenen Systemen aufgewachsen sind, sind die Eindrücke teils recht unterschiedlich. Sie hat Erinnerungen an die Kindheit, ich eher an den Gegner des Kalten Krieges, sehe dieses Denkmal daher in einem anderen Licht, wenngleich die Thematik des Denkmals der Sieg der UdSSR über Hitler-Deutschland ist.
    Auf jeden Fall nochmals vielen Dank an Lukas und Jasper für den grandiosen Tipp.

  7. Agata sagt:

    Riesen Dank an Jasper und Lukas für Berlin insgesamt!!!

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