agata góralczyk : texte

Mordversuch mit Einkaufswagen – Sachstand – Teil 1

„Autorität wie Vertrauen werden durch nichts mehr erschüttert als durch das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden.“
Theodor Storm (1817-88), dt. Schriftsteller

Zwei junge Frauen wurden vom Landgericht Münster wegen versuchten Mordes zu dreieinhalb und drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Zwei weitere – noch minderjährige – zu zwei Jahren Haft auf Bewährung bzw. 80 Sozialstunden.

Sofort prasselten die Fragen bei mir nur so ein.

Der Vorfall

Eine Mädchenclique aus Münster will sich ein wenig vergnügen. Der Tag ist langweilig, die vier Mädels wollen sich die Zeit vertreiben. Und kommen auf die tolle Idee ein paar Einkaufswagen aus dem achten Stock ihres Hochhauses zu werfen. Den gerade schwer unter Drogen stehenden Nachbarn verfehlen sie nur per Zufall.

Einige Tage später ist die Sache mit den Einkaufswagen nicht mehr ganz so spannend: Diesmal lösen die Mädels den Feueralarm aus und werfen Feuerlöscher auf die heraneilenden Feuerwehrleute, die sie vorher mit Löschschaum besprüht hatten. Das auch hier keiner getroffen wird, ist wieder eher Zufall.

Gutachter und Gericht

Gutachter des Gerichtes attestieren den jungen Frauen bzw. Mädchen eine geringe Reife und geistige Defizite. Sie seien nicht in der Lage gewesen, die Tragweite ihres Handelns zu erkennen gewesen. Sie selbst benennen als Tatmotiv, den Feuerwehrleuten einen Streich gespielt haben zu wollen.

Das Gericht begründet sein Urteil damit, die Angeklagten hätten zum Zeitvertreib mehrfach das Leben anderer riskiert und seien dabei heimtückisch vorgegangen. „Zu viel Freiraum, zu wenig Erziehung.“ war der Kommentar der Richter zu den Gründen für die Tat.

Familie und Nachbarn

Familie und Nachbarn sind über das Urteil entsetzt. Die jungen Frauen stammen allesamt aus „schwierigen sozialen Verhältnissen“. Im Gefängnis hätten sie – so die Begründung der Verteidigung – keine Chance sich positiv weiterzuentwickeln.

Soweit zum Sachstand. Dem modernen Affen stellen sich ein paar Fragen, die ich in den nächsten Tagen im Zusammenhang mit diesem Vorfall betrachten will.

  1. Mit wieviel Wucht schlugen die zwei geworfenen Einkaufswagen bzw. Feuerlöscher unten auf?

  2. Was ist Gerechtigkeit?

  3. Wie verhält sich das zum Recht?

  4. Was ist der Sinn und Zweck von Strafen?

  5. Wie könnte man den Fall zusammenfassend beurteilen?

Flickr Foto imagenationVie

Habt ihr noch weitere Fragen, die ich beleuchten könnte?



12 Antworten zu “Mordversuch mit Einkaufswagen – Sachstand – Teil 1”

  1. ElliPirelli sagt:

    Warum wird aus „schwierigen sozialen Verhältnissen“ als Entschuldigung angebracht?

    Wer vom Feuerlöscher oder Einkaufswagen getroffen wird, dabei entweder tödlich getroffen ist oder sein Leben als Schwerbehinderter weiterleben muß, dem ist das egal, aus welchem Elternhaus die Gören stammen.

    Solch ein Verhalten zu entschuldigen macht mitschuldig am nächsten Leichtsinn, der dann nicht so glimpflich ausgeht.

    Gruß, ElliPirelli

  2. eilinger sagt:

    Wenn man sich im Gefängnis nicht positiv weiterentwickeln kann, dann sollte man mal über unsere Gefängnisse nachdenken.

  3. nerd sagt:

    what the fuck is „wucht“?!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wucht

  4. […] Letzten Dienstag habe ich von einem Vorfall berichtet, bei dem vier junge Frauen teilweise zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie Einkaufswagen und Feuerlöscher aus dem achten Stock eines Hochhauses geworfen hatten. […]

  5. […] Woche habe ich von einem Fall berichtet, bei dem vier junge Frauen teilweise zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie […]

  6. […] Woche habe ich von einem Fall berichtet, bei dem vier junge Frauen teilweise zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie […]

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