agata góralczyk : texte

Jason Bourne am Flughafen

„Wer bezahlt 20.000 für eine Fahrt nach Paris?“
Bourne Identität

Ich gebe es unumwunden zu: Ich finde Geheimagenten unfassbar cool! In wilden Fantasien stelle ich mir regelmäßig vor, wie ich mich als das weibliche Pendant zu Jason Bourne durch prekäre Situationen schlage und allen Gefahren trotze.

Die Wirklichkeit ist da etwas grauer und meist auch langweiliger. Während ich aber so am Gate 4 auf meinen Flug warte, überlege ich mir, welcher der Fluggäste den perfekten Geheimagenten abgeben würde.

Klarer Fall: Derjenige, der am wenigsten auffällt.

Frauen haben es da erstmal einfacher. Per se werden sie als weniger gefährlich eingestuft. Männer gelten eher als potentielle Gefahren. Zumindest so in meiner Vorstellung. Spätestens seit Cate Archer, Mrs. Smith und Yuki7 sollte man auch bei den Damen ein wachsames Auge haben.

Alleine unterwegs zu sein, ist da auch keine gute Lösung. Entweder also mit Partner oder wahlweise mit einer Reisegruppe. Ideal wäre eine Familie mit Kindern. Aber woher die Kinder nehmen? Kann man irgendwo Kinder für Geheimagenteneinsätze mieten? Und wo gibt man die später ab?

Nicht unkritisch ist natürlich auch das Alter. Zwischen 20 und 40 fällt man wahrscheinlich am ehesten auf. Kinder und Senioren haben es da einfacher. Wer verdächtigt schon Bob den Baumeister oder einen rüstigen Rentner?

Outfit und Gepäck sind nicht zu vernachlässigen. Pumps und Rollkoffer erwecken seltener Aufmerksamkeit als Treckingstiefel und Rucksäcke. Wichtige Accessoires sind hier auch aktuell angesagte Handtaschen. Je nach Alterskategorie könnte ein Rollator die perfekte Tarnung abgeben.

Last but not least: Das allgemeine Verhalten. Auffälliges Beobachten irgendwelcher Sicherheitseinrichtungen ist tabu. Ein nettes Schwätzchen mit den Mädels aus der Reisegruppe, Vorlesen aus dem Kinderbuch oder ein sonores Schnarchen sollten das Flugpersonal in Sicherheit wiegen.

Insgesamt hatte ich an Gate 4 drei Personengruppen als perfekte Agenten ausgemacht:

  1. Damenreisegruppe auf dem Weg zum Mädelsurlaub. Perfektes Styling, reges Austauschen von Kochrezepten und das Lästern über Ehegatten machten hier ein geniales Tarnkonzept aus.
  2. Familie mit drei Kindern. Gestresster Ehemann, überfordert mit den Fragen des Juniors zur Flugtechnik. Beim Kinderwickeln eingespannte Ehefrau. Und das Töchterchen mit Malstiften.
  3. Das Rentnerpaar: Rollator zur Hand, Zweitlesebrille in der Handtasche und attraktive Stützstrümpfe. Das permanente Meckern über alles und jedes, eine gewisse Portion an allgemeiner Besorgniss und umfangreiche Besserwisserei runden hier das Konzept ab.

Ich konnte mich hier leider nicht qualifizieren und werde beim nächsten Agenteneinsatz an meiner Tarnung arbeiten müssen.

Die letzten Worte des Captains vor dem Abflug möchte ich euch zum Abschluss nicht vorenthalten:

„So ihr Lieben. Jetzt geht’s los.“

Flickr Foto perry_marco

Morgen geht es hier im Reisetagebuch weiter mit einem Spaziergang durch Puerto de la Cruz und den ersten Caches.

„Wer bezahlt 20000 für eine Fahrt nach Paris?“ „Wer bezahlt 20000 für eine Fahrt nach Paris?“


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