agata góralczyk : texte

sehen denken digitalisieren

Kreative Arbeitsprozesse

Zwei wichtige Bestandteile meiner Arbeit sind Analysieren und Konzeptualisieren. Auch wenn das vielen Menschen nicht klar ist: Beides sind hochkreative Prozesse.

Ich muss einen Haufen an Informationen zuerst sehen dann betrachten. Anschließend muss ich mir neue Möglichkeiten der Zusammensetzung dieser Informationen vorstellen. Den letzten Teil dieser Kette – nämlich das Zeigen – habe ich nie besonders gut beherrsch. Dan Roam hat mich eines Besseren belehrt.

Sehen

Das Sehen ist der recht einfache Anfang: Informationen aus allen möglichen Quellen sammeln und einen klaren Bezugspunkt finden. Das Sammeln kann extern – physikalisch oder digital abgelegte Informationen – oder intern sein – in meinem Hirn abgespeicherte Daten.

Man kann diesen Schritt sehr unterschiedlich angehen. Üblicherweise schreibt man sich etwas auf, macht vielleicht eine Liste. Es gibt aber natürlich auch effektivere Techniken. Und die sind tatsächlich alle visuell. Meist fange ich direkt mit einer MindMap an.

Betrachten

Anschließend folgt das Betrachten: relevante Informationen rausfiltern, eine Auswahl treffen, Muster erkennen, Kategorien bilden. Dieses „Herumsortieren“ ist wieder in visueller Form am effektivsten.

Mit einer MindMap kann ich die Informationen vorstrukturieren und Vorhandenes als Trigger für neue Ideen nutzen. Oder ich skizziere erst einmal Bezüge zwischen Fragen und Themenfeldern.

Vorstellen

Als nächstes kommt dann das Vorstellen: Mit dem schon Vorhandenen Neues schaffen. Neue Verbindungen ausmachen. Neue Kombinationen erstellen. Hier kommt der kreative Quantensprung, der aus einer losen Datensammlung ein nützliches Konzept macht.

Skizzen sind hier sehr hilfreich. Aber auch Diagramme. Ablaufdarstellungen etc.

Digitale Behinderung

Die IT ist mein Zuhause. Computer, Smartphones, etc. meine alltäglichsten Arbeitswerkzeuge. Dennoch funktionieren sie in dem oben beschriebenen Prozess nicht. Sobald ich in diesem Prozess die Hände auf die Tastatur lege und den Blick auf den Bildschirm wende bin ich blockiert. Als könnte ich auf einen Teil meines Gehirns plötzlich nicht mehr zugreifen.

Papierflow

Nehme ich wieder Papier und Stift in die Hand, fließen die Gedanken, mein Gehirn läuft zur Höchstform auf. Ich denke gar nicht bewusst, alles ist im Flow.

Woran liegt das? Was macht diesen haptischen Unterschied zwischen Stift und Tastatur aus? Ist es die Begrenztheit zugewiesener Symbole contra unendliche Möglichkeit des leeren Blattes und Stiftes?

Eines nervt mich immer wieder: die Papierstapel die dabei entstehen. Ich werde also in den nächsten Tagen ein Grafiktablett testen. Ob das dem Stift nahe genug ist, um die Tastaturblockade aufzulösen?

Ich bin sehr gespannt.

Flickr Foto jonny goldstein


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