agata góralczyk : texte

Friedhöfe – Romagräber

Magst du auch Geld und Gut endlos zusammentragen, du wirst doch nackt und bloß zuletzt ins Grab getragen.

unbekannt

Ich gehe sehr gerne auf Friedhöfe. Die Gräber erzählen viel über die Geschichte eines Ortes, die Menschen und deren Selbstverständnis dort.

Entdeckung

In der hinteren Ecke, im alten Teil des Krefelder Hauptfriedhofs fällt mir ein Grab schon von Weitem auf: Ein großer, rechteckiger Bau aus schwarzem Marmor, mit Treppchen und Balustraden. Ein riesiger Grabstein mit dem Bild der schwarzen Madonna. Ungewöhnliche Namen: Dyka, Mitscha, Francz, Jocky. Fotografien von Männern in Anzügen aus den 50ern und riesigen Hüten, von Frauen in südländisch wirkenden Kopfbedeckungen.

Zuerst kann ich sie nicht richtig zuordnen: Osteuropa – schwarze Madonna und Nachnamen wie Kierpacz/Korpatsch? Vielleicht eher Südosteuropa – die Leute auf den Bildern haben doch eher dunklere Haut, Augen und Haare? Irgendwie passt das alles nicht so richtig zusammen.

Dann sehe ich aber ein ähnliches Grab. Und noch eines und noch eines. Oft jung gestorben. Mit Bildern ein wenig im Stil meiner polnischen Großeltern und doch ganz anders. Namen wie aus allen Teilen der Welt zusammengesucht. Mit völlig voneinander entlegenen Geburts- und Sterbeorten. Sinnsprüche, die eher in ein Poesiealbum passen, denn auf einen Grabstein. Mit Gold und Blumen und seltsamen Verzierungen.

Roma

Meine Vermutung fällt auf „Zigeuner“ – auf Roma.

Ich erfahre bei meinen Recherchen, dass sich gerade in Krefeld (wie auch im ganzen Niederrhein) viele Roma nach 1945 angesiedelt haben. Dass – entgegen meinem Halbwissen – der Großteil der Roma heute sesshaft leben. Dass Romagräber tatsächlich ein ganz besonderes Aussehen haben und dass es bei Romabeerdigungen „etwas“ anders als bei den mir bekannten zugeht.

Vor allem erfahre ich aber, dass es sehr schwer ist, irgendetwas über Roma zu erfahren. Dass sie – wenn auch heutzutage wesentlich offener als früher – nachwievor ungerne „Fremde“ über sich wissen lassen.

Links

Foto Rüdiger Benninghaus


Eine Antwort zu “Friedhöfe – Romagräber”

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