agata góralczyk : texte

Vogesen – Urlaub mit dem „Zigeunerwagen“ – Fontenois-la-Ville

Dies ist der dritte Teil unserer Reise mit dem Zigeunerwagen durch die Vogesen mit folgenden Stationen:

  1. Krefeld
  2. Strasbourg
  3. Fontenois La Ville
  4. Dampierre Les Conflans
  5. Baulay
  6. Ormoy
  7. La Basse-Vaivre
  8. Fontenoy Le Château
  9. Abschiedsschmerz: Adieu Zigeunerleben

Le petit dej

Französisches Frühstück: Croissants und Butter, Marmelade, Nutella, selbstgemachter Honig. Café au lait und Chocolate. Für Eskimos gibt es Rührei auf Speck und schwarzen Tee.
Erst um 10:30 lernen wir Jade kennen: unser Pferd für die Reise. Jade ist ein Bollwerk. Eine Masse von Muskeln: riesig, stark. Traumhaft karamelfarben mit blonder Mähne. Wunderschön.
Sie lässt sich gut einspannen und wir können lostraben. Ein Energiebündel, stratzt sie die Hügel hoch.

Madame Jade

Schnell merken wir, dass die wahre Herrausforderung das Bergabfahren und damit das Bremsen ist. Immer wieder mal bockt Jade. An einer Kreuzung will sie partout einen anderen Abzweig nehmen. Im Ort bleibt sie stehen und macht auch keine Anstalten weiterzugehen. Dann wieder eine Stelle, an der sie lieber einen anderen Weg nehmen will. Wie diskutiert man mit 800kg Lebendgewicht?
Bei der starken Hitze ist sie nach einer Stunde klatschnass geschwitzt. Wir pausieren zwischendurch. Den Rastplatz erreichen wir erschöpft. Alle bis auf Jade. Sie ist unruhig und scharrt mit den Hufen. Bollert immer wieder mit der Seite gegen den Wagen, an dem sie angebunden ist.

Wildtier

Als wir wieder losfahren wollen, geht es richtig los: Das Pferd dreht durch. Es will zurück statt in die Reiserichtung. Es reißt den Wagen trotz festgestellter Bremse herum. Es tänzelt, es schart, es versucht immer wieder sich loszureißen. Ich stelle mich vor Jade, um sie immer wieder zur Räson zu bringen. An Fahren ist nicht zu denken.
Schließlich steigt das Pferd. Fruchterregend und beeindruckend: knapp eine Tonne Masse, die da immer wieder hochsteigt und mit Hufen wie Teller herrunterrauscht. Wir wissen nicht weiter. Langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun. Christian versucht mit aller Macht auf dem Kutschbock den Wagen, der mitlerweile umzukippen droht, zu halten. Ich baue mich auf und hoffe dass das Pferd nicht merkt, dass es 10mal mehr Masse hat als ich. Fabienne lockt es mit unserem Möhren- und Äpfelvorrat von der Straße weg. Schließlich ruft sie Jacky an.
Bis dieser allerdings einttrifft, läuft uns allen Einiges an Panikschweiß denn Rücken runter. Nicht nur muss ich ein Riesenvieh im Zaume halten. Mein Mann sitzt auf dem Kutschbock. Wenn das Tier sich wirklich losreißt und mit all seiner Masse losgaloppiert, wähne ich ihn verloren.
Bevor ich in Panikschreien ausbrechen kann, trifft Jacky ein und zeigt Jade, wo es lang geht. Jade zickt, Jade bockt, aber sie gehorcht. Bergauf mit viel Bremsleistung am Wagen trabt Jade sich ihren Übermut aus. Einen Kilometer später ist sie ordentlich ausgepowert und hat einfach keine Kraft mehr für Wildtieranfälle.

Traumgarten

Wie schon am Vormittag kann ich wieder vorangehen und so schaffen wir unsere 18 Kilometer doch noch. Bei Steak, Salat und Wein erholen wir uns in einem wunderschönen Garten von den Aufregungen des Tages.
Ob wir Jade noch eine Chance geben können?

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