agata góralczyk : texte

Vogesen – Urlaub mit dem „Zigeunerwagen“ – Dampierre-lès-Conflans

Dies ist der vierte Teil unserer Reise mit dem Zigeunerwagen durch die Vogesen mit folgenden Stationen:
    1. Krefeld
    2. Strasbourg
    3. Fontenois La Ville
    4. Dampierre Les Conflans
    5. Baulay
    6. Ormoy
    7. La Basse-Vaivre
    8. Fontenoy Le Château
    9. Abschiedsschmerz: Adieu Zigeunerleben

      Das Frühstück ist ein soziales Tier

      Kohlenhydratbomben für meine Mitreisenden, Eskimoessen für mich. Essen verbindet oder sondert aus. Essen ist Kultur und Gesellschaft. Ich sitze heute alleine an der Picknickecke und verschlinge Rührei mit Speck.

      20km

      Wir reisen recht früh ab, um den längsten Teil der 20km-langen Strecke vor der angekündigten Mittagshitze zu schaffen. Jade hat gestern Abend und heute Morgen nur einen Bruchteil der üblichen Kraftfutterportion erhalten. So hoffen wir, dass sie heute ruhiger bleibt.

      Das Leittier

      Jade braucht Führung: ein Leittier voran und klare Ansagen vom Kutschbock aus. Ich wechsle also die dicken Treter gegen meine Sandalen und marschiere los. Immer voran, immer das Tempo halten. Fabienne hat die Zügel fest in der Hand und leitet Jade mit klarer Stimme. Irgendwann gewöhne ich mich selbst an die Anweisungen von hinten: allez, a droite, tire, continuit. Werde schneller, werde langsamer, werde selber zum Pferd.

      Malerische Vogesen

      Das Konzept geht auf und wir können unsere Reise entspannt genießen. Die Landschaft ist wahrhaftig malerisch: Sanfte Hügel, saftige Felder. Vieh tollt auf den Weiden. Junge Pferde toben neugierig über die Koppel als sie uns sehen. Raubvögel ziehen über den Feldern ihre Kreise und setzen bei Sicht auf Beute in den Sturzflug über.

      Reiseroutine

      Wie sehr sich Jade an ein Leittier gewöhnt hat, merken wir, als ich ein kleines Stück vorlaufen will, um ein paar Fotos zu machen: Jade verfällt sofort in einen munteren Trab und will hinterher. Als wir ein wenig später alle gemeinsam auf dem Kutschbock sitzen wollen, bockt Jade wieder rum. Es hilft nix: Ich laufe wieder voran.

      Farbwechsel

      Auch die Mittagspause verläuft diesmal entspannt und unser Weg schlängelt sich schön langsam voran. Langsam ziehen dunkle Wolken auf und am späten Nachmittag geht das Gewitter los. Es plästert ordentlich.

      Das „Leittier“ und der Kutscher ziehen sich farbenfrohe Ponchos über. Jade ist sichtlich verwirrt: Das Leittier ist auf einmal knallorange!

      Ich habe derweil Pause und verschanze mich im Wagen. Blitz und Donner begleiten uns bis zum leeren Campingplatz. Wir spannen Jade aus und bereiten uns auf den Abend vor. Zur Dusche können wir nackig laufen, das Wasser kommt ja doch.

      Postkarten ins Jenseits

      Nachdem der Regen nachgelassen hat, machen wir einen Spaziergang durch den Ort Baulay. Viele Häuser stehen leer, verfallen vor sich hin oder sind zu verkaufen. Die Bahnstrecke nach Paris hat hier schon lange keinen Halt mehr. Die Züge rasen einfach durch. Wie viele der Orte an unserer Strecke stirbt auch dieser aus.

      Auf dem Friedhof bestaunen wir eine französische Besonderheit: Die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen lassen kleine „Steinpostkarten“ mit Sprüchen oder Bildern vom Steinmetz anfertigen. Diese werden dann auf der Grabplatte aufgestellt. Die Schönste hier ist ein kleiner aber sehr detaillierter Feuerwehrmann von den ehemaligen Kollegen.

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      Bilderstrecke



      4 Antworten zu “Vogesen – Urlaub mit dem „Zigeunerwagen“ – Dampierre-lès-Conflans”

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