agata góralczyk : texte

Vogesen – Urlaub mit dem “Zigeunerwagen” – Baulay

Dies ist der fünfte Teil unserer Reise mit dem Zigeunerwagen durch die Vogesen mit folgenden Stationen:
    1. Krefeld
    2. Strasbourg
    3. Fontenois La Ville
    4. Dampierre Les Conflans
    5. Baulay
    6. Ormoy
    7. La Basse-Vaivre
    8. Fontenoy Le Château
    9. Abschiedsschmerz: Adieu Zigeunerleben

      Der Schmied

      Gestern beim abendlichen Füttern entdeckten wir, dass Jade ein Hufeisen verloren hatte. Wenn ich richtig drüber nachdenke, dann hörte sich schon den ganzen Tag über das Hufgetrampel ungleichmäßig an. Ohne Hufeisen geht es nicht weiter: Das Tier würde sich den Huf aufreißen. Jacky verspricht uns für heute Vormittag einen Hufschmied zu organisieren. Le matin: Das kann durchaus bis 14:00 dauern und wir haben 18km vor uns!

      Um kurz nach 11 kommt der Hufschmied. Das Beschlagen stört das Tier eigentlich nicht. Es stinkt bloß nach verbranntem Horn. Wie Haare, die im Föhn verglühen.

      Arbeitsteilung

      Nachdem Jade gestern so zahm war, traut sich Christian heute auf den Kutschbock. Das kleine Kutschenführerdiplom wartet auf ihn.

      Ich spiele wieder Leitpferd. Irgendwie ist das genau meine Rolle. Der Job, der mir mein Leben froh macht. Einfach einen Fuß vor den anderen setzen, meinen Rhytmus finden, die Welt im richtigen Tempo schauen. Wenn der Kutscher ruft, dann werde ich langsamer oder schneller. Manchmal laufe ich ein Stück oder sichere eine Kreuzung. Irgendwann ist es wie eine Trance, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes gemacht und müsste mein Leben lang nichts anderes tun. Flow!

      Die Saône

      Unser Weg führt uns sehr schnell aus dem Ort und über lange Strecken an der Saône entlang. Eine wundervolle Flusslandschaft: Träges Wasser, Schilf, Nasswiesen und myriaden von Libellen. Immer wieder bummeln bunte Boote an uns vorbei. Unser Gefährt sorgt für Aufmerksamkeit und Neugierde.

      Die mitgenommenen Reiseanweisungen sprechen davon, bei Steigungen von der Kutsche zu steigen und dem Pferd durch Schieben zu helfen. Für Jade allerdings ist das kein Thema. Madamme zieht mit ihrer Muskelmasse den Wagen mit Leichtigkeit die Hügel hoch und stört sich weder am Gewicht, noch an der Strecke. Ein solches Zugpferd kann wohl das Dreifache seines Gewichtes ziehen: Das wären in diesem Fall ca. 2,5 Tonnen.

      Kutschenkurs

      Christian macht sich als Kutschfrischling sehr gut. Immer besser gelingt ihm die hohe Kunst des Bremsens. Der Wagen muss auch noch bei dem kleinsten Gefälle möglichst so genau abgebremst werden, dass er locker hinter dem Pferd herrollt, ohne dass das Pferd es merkt.

      Bremst der Kutscher zu wenig, rollt der Wagen dem Tier in die Hacken: Das ist schmerzhaft und das Pferd fängt an, unkontrolliert zu beschleunigen. Bremst der Kutscher zu viel, muss das Pferd den Wagen bergrunter ziehen. Insgesamt ist zu viel bremsen immer noch besser als zu wenig.

      Natur pur

      Wir reisen durch viele kleine Orte. Immer über Nebenwege. Am Fluss entlang. Über Wiesen und klatschmohnrote Felder. Die Sonne brennt und ich bin für jede Wolke, jeden Baumschatten dankbar. Nach ca. 12km machen wir am Wegesrand unsere Mittagspause. Jade grast entspannt und ich kann meine Füße hochlegen.

      Im weiteren Verlauf steigt unser Weg an, bis wir über traumhafte Waldstrecken die Höhen von Ormoy erreichen. Von hier aus kann man die fruchtbare Ebene und die Orte dahinter sehen. Wir aber steuern unseren Stellplatz an, versorgen das glückliche Pferd, entspannen uns und kühlen unsere heißgelaufenen Füße im Ortsbrunnen unter dem strengen Blick Victorias ab.

      Abendrast

      Nach getaner Arbeit ist Jades Lieblingsbeschäftigung das Sich-Rumwälzen. Sobald sie die Koppel erreicht, sucht sie nach einem günstigen Plätzchen, legt sich vorsichtig hin und rubbelt sich vergnügt von allen Seiten ab. Selbst ein 800kg-Brocken sieht dabei einfach possierlich aus.

      Meine Begleiter allerdings erfreuen sich lieber am echt französischen Abendessen inkl. echt französischem apéritif, der ab diesem Tag Berühmtheit erlangt: Weißwein mit Mirabellensirup. Eine lokale Spezialität, die dem einen oder anderem ein wenig zu Kopfe steigt.

      Das Frisbeespiel zum Absacken wird dadurch zu einer gewissen motorischen Herausforderung.

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      Bilderstrecke



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