agata góralczyk : texte

The ability to change (2)- GWW Writing Fiction

Ich arbeite mich aktuell durch die Übungen in „Gotham Writers Workshop: Writing Fiction„. Die Ergebnisse gibt es hier fortlaufend zu lesen.
Ich hatte den Text schon einmal geschrieben. Leider ist er dann in den Untiefen des Computer-Gedächtnisses verschollen. Hier also zweiter Anlauf zu Teil 2.

Aufgabe: Die erschaffene Figur zum Leben bringen. Ein Textstück, in dem sie ihrer Sehnsucht nachgeht und etwas passiert, dass ihre kontrastierenden Eigenschaften zeigt. Gleichzeitig sollte ein Hinweis darauf drin sein, dass die Figur fähig ist, sich zu ändern.

Skizze für Teil2:
Am Deich angekommen träumt sich Thomas im Wind der See in ein Leben als Seemann oder Fischer als er einer Frau begegnet. Beide auf der Suche nach Etwas stürzen sie sich in einen Quickie hinterm Deich. Obwohl sich Thomas da genauso rücksichtslos verhält, wie am Abend zuvor und anschließend nicht schnell genug abhauen kann, sieht man einen kleinen Schimmer, wer er sein könnte.

Die große Ostfrieslandtour, Teil 2

Das Taxi war weg. Thomas endlich allein. Allein im Dunkeln. Allein am Wasser. Keine Laternen, kein Geklapper aus der Küche, keine Stimmen. Stille.

Er hatte sich das anders vorgestellt. Wind und Wellen, Sturm und Tosen. Von den Naturgewalten wollte er sich erfassen lassen. Statt dessen diese Stille.
Um hier blind loszurennen war es viel zu dunkel. Er konnte seine Hand kaum vor den Augen sehen. Die Stille machte ihn wahnsinnig.
Da, am Wasser zischte irgendwas und plätscherte. Seltsames Geräusch. Weit hinten am Horizont konnte er jetzt auch ein paar Lichter erkennen. Da rechts, das war bestimmt ein Leuchtturm. Jetzt sah er auch, dass er gar nicht am Wasser stand. Das Wasser war gar nicht da. Ebbe.
Was machte er hier eigentlich? Was für eine bescheuerte Idee war das gewesen? Nachts zum Wasser. Wo er nichtmal wusste, ob Wasser da war.
Er wollte gerade zurück zur Straße, als er sah, dass direkt vor seinen Füßen ein kleiner Trampelpfad anfing. Am Deich entlang in die Dunkelheit hinein.
Er stapfte einfach los. Wo sollte er sonst hin? Hier war ja eh Nichts außer Glucksern im Schlamm und dem endlosen Deich.

Das Gehen tat ihm gut. Er begann zu schwitzen, zog die Jacke aus. Das Blubbern und Zischen wirkte nach ner Zeit geradezu beruhigend. Er konnte ewig so gehen. Den Schlamm und das Salz riechen. Die Lichter kamen nicht wirklich näher. Die Sterne wurden immer heller. Es war alles so wunderbar endlos.
Die Wut, die Hetze lösten sich auf. Das Glück hatte er hier bisher nicht gefunden. Die Sehnsucht vielleicht schon.
Vielleicht war an den albernen Seemannsliedern, die er allabendlich sang, doch mehr dran.
Plötzlich tauchte etwas Rotes in seinem Blickfeld auf. Es wackelte oder wippte ein paar Meter vor ihm. Es kam näher. Oder er kam näher?
Ein Schal. Es war ein Schal. Zu dem Schal gehörte auch noch jemand. Thomas versuchte sich bemerkbar zu machen. Er wollte niemanden erschrecken. Verschwitzt und durcheinander wie er hier im Dunkeln am Deich war.
Die Frau – er war sich sicher, dass es eine Frau war – schien ihn erst nicht zu bemerken. Auch sie stampfte den Deichweg entlang.

„Hallo! Ähm. Ich will sie nicht erschrecken.“
Sie blieb stehen. Als sie sich umdrehte, merkte er, dass sie ziemlich tief in Gedanken gewesen sein musste. Sie brauchte ein wenig, um ihm überhaupt wahrzunehmen.
„Hallo. Sie haben mich nicht erschreckt. Oder sind Sie ein Sittentäter?“
Was? War die total von der Rolle?
„Äh. Nein. Ich meine. Ich bin kein Sittentäter.“
„Gut. Dann können wir ja weiter gehen.“
Sie drehte sich einfach um und ging weiter. Er war völlig verdattert. Ging hinterher. Es gab ja nur diesen einen Weg hier.
Sie ging ihm viel zu langsam. Er wollte vorbei. Und dann doch nicht.
Sie nahm sie seine Hand und bog vom Weg ab. Im Gebüsch ging alles sehr schnell. Ohne Worte.
Hinterher hatte er Mühe Schuhe und Gürtel wieder zu finden. Während sie noch im Gras lag und in die Sterne schaute, lief er halb davon. Er musste hier weg. Sie hatte ihm die See und den Wind verleidet.
Im Laufen rief er die Taxizentrale von seinem Handy aus an. Als er in der Morgendämmerung wieder aus dem Taxi stieg, musste er an ihren roten Schal denken.



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