agata góralczyk : texte

Getting to know them (3) – GWW Writing Fiction

Die ungewöhnlichen Fragen:
Die Familie Mihalyov hat nicht nur einen sondern direkt zwei Kühlschränke. Schöne, große Kästen. Der erste Kühlschrank, der der in der Küche steht, ist immer voll mit Tanjas Einkäufen. Alles für den Alltag und was sie zum Kochen braucht. Der zweite Kühlschrank steht in der Kammer. Dort stehen all die Leckereien, die sie kocht und backt. Aleks mag das sehr gerne, dass der zweite Kühlschrank in der Kammer steht. So kann er immer wieder mal eine Kleinigkeit daraus stibitzen. Allerdings erwischt Tanja ihn immer wieder.
Im Schlafzimmer vor dem großen Wasserbett, in dem Aleks sich so gerne mit den Jungs rumwälzt, wenn er am Wochenende mal Zeit hat, liegen wundervoll flauschige Teppiche. Tanja hat sie extra von ihren Flügen nach Russland einen nach dem anderen mitgebracht. Jeden Morgen, wenn Aleks ganz früh aufsteht und seine Füße auf einen dieser Teppiche stellt, fühlt er sich fast wie zu Hause.
Aleks‘ Nachttisch ist sehr aufgeräumt. Eine kleine Lampe, seine Uhr, das war’s. Er schleppt keine Sachen mit ins Schlafzimmer.
Der Mülleimer, das ist eine gute Frage. Das ist ja eher Tanjas Bereich. Sie kocht und putzt und all die Haushaltssachen. Da wirft sie auch das Meiste weg. Oleg ist fürs Rausbringen zuständig. Er macht das auch recht ordentlich.
Aleks‘ Füße stecken meist in schweren Arbeitsschuhen. Dicke, feste Sohlen, vorne ne Stahlkappe drin: Sicherheitsschuhe. Man kann seinen Garten natürlich auch ohne Sicherheitsschuhe machen. Asil achtet aber penibel wie ein Deutscher auf die Einhaltung der Arbeitsschutzgesetze. Da gehören Sicherheitsschuhe dazu. Wenn er abends nach Hause kommt, sind Aleks‘ Füße so müde und so verschwitzt, dass er erstmal ein Fußbad nimmt und dann am liebsten nur noch barfuß läuft. Igor hat ihm letztes Jahr Weihnachten dafür extra so schöne Socken mit Noppen unten drunter geschenkt.
Die Küche seiner Kindheit? Wonach roch die? Im Winter nach dem Ofen, den zunächst die Oma und später auch er befeuerte und sauber machte. Nach frischem Brot und heißer Hühnersuppe. Im Sommer nach Tomaten und Gurken, nach Sommerluft und Gemüsesuppe. Sie bekamen irgendwann auch einen Gasherd. Aber die Oma war lange skeptisch. Sie konnte auf dem verrückten Ding nicht richtig kochen. Die Gerichte gelangen nie. Erst als der alte Ofen fast zusammenbrach und die Oma keine Asche und keine Kohle mehr schleppen konnte, freundete sie sich mit dem Gasherd an.
Wenn Aleks einen Frühjahrsputz macht, dann fliegt erstmal der ganze Kleinkram aus der Werkstatt und der Garage raus. Die kleinen Glühbirnen, Unterlegscheiben, kaputten Werkzeuge und alten Fahrradschläuche. Aleks mag den Frühjahrsputz. Wie im Garten kommt das ganze alte Zeug weg und das Neue Jahr wird sichtbar. Was er nicht gut kann, ist seinen Schrank in der Werkstatt aufzuräumen. Tanja kann das alte, wackelige Ding nicht ausstehen. Die Tür klemmt, die Scharniere quietschen und einmal hat ne Katze dort reingepinkelt. Trotzdem kann sich Aleks nicht überwinden den Schrank wegzuwerfen.

Fortsetzung folgt…

Aufgabe

Raus gehen und eine Figur suchen. Jemanden beobachten und sich Notizen machen. Anschließend die Figur mit den Fragen aus dem Buch ausgestalten.

Ich arbeite mich aktuell durch die Übungen in „Gotham Writers Workshop: Writing Fiction„. Die Ergebnisse gibt es hier fortlaufend zu lesen.


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