agata góralczyk : texte

Etwas mehr Demut bitte, liebe Naturwissenschaftler

Unweaving the Rainbow, mein Lesematerial für Januar 2014.

Warum ärgert mich Dawkins so sehr?

Klar, Hasstiraden mag ich nicht. Die bringen nichts und niemanden weiter. Was ich auch nicht mag, ist wenn sich jemand als Opfer darstellt. Die edlen Wissenschaftler als Opfer der ganzen anderen, bösen Welt. All der Hass, das Elend, wo sie doch alle so edel sind.

Leider ist das so nicht. Naturwissenschaftler sind in unserer Welt nachwievor gottgleich. Sie bewegen, erklären und beherrschen die Welt. Niemand hat so ubiquitär in unseren postmodernen, pluralistischen Gesellschaften das Recht auf „Wahrheit“. Nicht Religionen, nicht andere Wissenschaften, nicht die Politik und schon gar nicht der Einzelne. Wenn wir jemandem eine „Wahrheit“, am besten eine „objektive Wahrheit“ erklären wollen, dann mit einer Wissenschaft. Während die Naturwissenschaften zwar wissen und zugeben, dass sie irren, weil ihre Arbeit ja der Falsifizierung unterliegt, bahaupten sie trozdem gerne auf eine äußerst arrogante Art und Weise zu wissen, wie die Dinge sind und gleichzeitig das Erklärungsmonopol zu haben.

Noch viel Schlimmer: Sie beanspruchen nicht nur die einzig wahre Wahrheit – die der „Tatssachen“ – sie diskreditieren alle anderen. Niemand anders kann Recht haben. „Wissenschafler haben herausgefunden“ hat heutzutage den gleichen Klang, wie „der Papst hat gesagt“ im Mittelalter. Diese Arroganz und dieser Alleinanspruch ist meines Erachtens nach der Grund, für eine so kritisch-unfreundliche Einstellung der Wissenschaft gegenüber.

Wissenschaftler verhalten sich heutzutage gerne als Hüter der Geheimnisse und des Wahren Glaubens. Dass es da eines Tages zu wütenden, weil sich überrant und hilflos fühlenden, Gruppen kommen würde, kann man sich ja denken.

Jeder, der einen Alleinanspruch auf die Deutung des Seins postuliert – und das auch noch lange genug – erntet Widerstand.

Kommt mal runter von eurem hohen Ross. Erklärt den Menschen, dass auch ihr nur mit Theorien, Modellen und Prämissen arbeitet. Werdet euch eurer eigenen und der Fehlbarkeit eurer Disziplinen bewusst.

Zeigt etwas mehr Demut.



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