agata góralczyk : texte

Kerstin (38), Projektleiterin Nachhaltigkeit aus Siegburg

Für Kerstin ist das Rad das sinnvollste Verkehrsmittel im Alltag.

Woher hast Du Dein Fahrrad?

Aus Amsterdam, weil es vor 3 Jahren in Deutschland kaum vernünftige Bakfiets gab (Lastenfahrräder mit Kiste zum Transport von Kindern und Einkäufen).

Was hat es gekostet?

Knapp 1.700€, wobei ich „nur“ für ein Fahrrad nicht so viel ausgegeben hätte. Es ersetzt das Auto, das wir seitdem nicht mehr haben. Unsere kinder waren damals knapp 2 und 4 und wir brauchten ein Kindertransportmittel.

Was ist Dein positivstes Erlebnis mit dem Fahrrad?

Mit einem Rad wie dem unseren wird man in einer Kleinstadt jeden Tag angesprochen, das sind oft nette Begegnungen. Die Kinder lieben das Rad und sitzen oft morgens singend in der Box. Unser Sohn hat darin auf Radtouren auch schon oft Mittagsschlaf gemacht und auch beim Umzug war es extrem hilfreich.

Dein negativstes?

Leider hatten alle negativen Erlebnisse mit Autos bzw. deren Fahrern zu tun. In unserer Stadt gibt es wenig Radwege und so sind wir meistens auf der Straße unterwegs. Am schlimmsten war ein Autofahrer, der uns kurz vor seinem Rechtsabbiegen überholte und dann so knapp einscherte und abbog, dass ich Rad, Kinder und mich nur noch zur Seite fallen lassen konnte. Da alle mit Helm und die Kinder angeschnallt waren, ist zum Glück nichts passiert, aber das hätte auch anders ausgehen können.

Ist bei Dir zu Hause/in Deiner Familie sonst noch jemand mit dem Rad unterwegs?

Ja, wir alle. Die Kinder fahren nun oft selbst, aber auf das Bakfiets will keiner mehr verzichten.

Wofür benutzt Du das Rad?

Wir fahren die Kinder morgens mit dem Rad zur Schule/Kita und radeln dann selbst zum Bahnhof. Nachmittags/abends dann umgekehrt. Da wir kein Auto haben, kaufen wir in der Regel mit dem Transportrad ein. Am Wochenende machen wir auch mal eine Tour und im Sommer ist Fahrradurlaub geplant.

Wie transportierst Du Deine “sieben Sachen”?

Im Transportrad in der Box oder im Rucksack.

Welches Image hat das Radfahren für Dich?

Für mich ist es mein alltägliches Fortbewegungsmittel.

Welche Rolle spielt das Thema Sicherheit für Dich im Zusammenhang mit dem Radfahren?

Eine sehr große, denn wenn es zueinem Unfall kommt, geht der für den Radfahrer deutlich schlimmer aus als für den Autofahrer.

Welchen Vorteil hat das Radfahren für Dich?

Billiger als das Auto, oft auf innerstädtischen Strecken auch schneller und Spass macht es auch. Zudem finde ich es gut, meinen Kindern im Alltag zu zeigen, dass man ein Auto nicht braucht, sondern im Grunde gut ohne auskommt – und wenn es mal sein „muss“, eins leihen kann.

Bist Du ein(e) typische(r) Radfahrer(in)?

Weiß ich nicht – unter sportlichen Gesichtspunkten nicht, Radfahren ist nicht mein Hobby, sondern das Transport- und Fortbewegungsmittel, das zu unserem Leben gut passt.

Wann fährst Du nicht mit dem Rad? Warum nicht? Womit dann?

Bei Eis und Schnee ist es mit zwei Kindern in der Box zu schwierig und dann auch gefährlich, denn der Bremsweg und das Fahrverhalten in Kurven sind anders als bei einem normalen Rad. Dann laufen wir oder nehmen den Bus.
Ich fahre ja „nur“ morgens und abends jeweils 2 x 2km am Heimatort bzw. Arbeitsort und umgekehrt, die 35 km dazwischen fahre ich mit der Bahn. Auch den grössten Einkauf ca. alle 6 Wochen inkl. Getränkekisten machen wir oft nicht mit dem Rad, sondern dem Carsharing-Auto.
Frei nach Hape Kerkeling, der mal sinngemäss gesagt hat, dass er nicht wandern, sondern pilgern wollte und wenn pilgern rudern wäre, eben gerudert wäre, fahre ich im Alltag nicht Rad um Rad zu fahren, sondern weil es das für uns sinnvollste Verkehrsmittel in einem Nutzungsmix ist – und ich denke, da wird Mobilität allgemein hingehen.

Was müsste passieren, damit Du noch öfter mit dem Rad unterwegs bist?

Ich müsste näher an meinem Wohnort arbeiten und mehr Zeit haben, respektive weniger/kürzer arbeiten.

Was müsste passieren, damit noch mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind?

Innerstädtisches Autofahren muss unattraktiver werden, d.h. langsamer, teurer, oder weniger Parkraum, während Radfahren im Gegenzug als umweltschonende und geräuscharme Alternative attraktiver gemacht werden muss – mehr Radwege, langsamerer Autoverkehr, der dadurch weniger überholen muss, gute Stellplätze an Bahnhöfen.

Wie viele km fährst Du in einer Woche mit dem Rad?

Ca. 40-50 km für die Wege zur Arbeit, KiTa und Schule und Einkäufe. Je nach Lust und Laune am Wochenende im Sommer 30 bis 40 km als Freizeit dazu.

Mit diesen “Kurzinterviews” möchte ich auf die Alltäglichkeit der Radnutzung und damit den Bedarf an geeigneter Infrastruktur in Deutschland aufmerksam machen. Den Fragebogen kann jeder Alltagsradler online ausfüllen.
Ich erlaube mir, die Antworten ein wenig von Tippfehlern zu befreien und die Lesbarkeit durch ein paar Korrekturen zu verbessern.



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