agata góralczyk : texte

Herr Hargst und das Pförtnerhäuschen (8)

Als er gerade überlegte, was er weiter mit dem Pförtner anstellen sollte, klopfte es energisch an der Kabinentüre:

“Hallo! Ist da jemand drin? Hier ist die Feuerwehr! Hallo?!”

Die Feuerwehr?! Wo kamen die denn auf einmal her? Das hatte ihm noch gefehlt. Diese Irre mit ihren Kalendern hatte die bestimmt geholt!

“Hallo!? Ein Feueralarm wurde bei uns ausgelöst. Falls Sie mich hören können, treten Sie von der Türe weg. Wir kommen rein.”

“Nein!”, schrie Herr Hargst. “Nein, nicht reinkommen!”

Er hechtete zur Kabinentüre und riss an der Jalousienschnur. Vor dem kleinen Sichtfenster erschien plötzlich das behelmte Gesicht eines massigen Feuerwehrmannes. Herr Hargst sprang etwas erschrocken zurück. Der Mann legte seine Hand an die Scheibe und versuchte in das Dunkel der Kabine zu spähen.

“Hallo! Können Sie die Türe von innen aufmachen? Wir haben eine Meldung wegen Rauchentwicklung in der Zentrale erhalten.”

“Hier ist kein Rauch. Es raucht keiner. Wir sind Nichtraucher!”, stotterte Herr Hargst sich zusammen. Ob der Pförtner geraucht hatte?

“Können Sie die Türe öffnen? In dem Gebäude ist Rauch gemeldet worden. Falls Sie die Türe nicht öffnen können, treten Sie bitte zur Seite. Wir öffnen sie dann von außen.”

Die konnten jetzt nicht hier reinkommen. Das ging nicht. Er war seinem Ziel doch so nahe. Hinter dem verfluchten Stadtplan war garantiert die Kommandobrücke. Dass diese Stadt ihm immer so viel Mühe machen musste. Verdammtes Berlin! Verdammtes Sumpfloch!

“Es ist alles in Ordnung hier. Falscher Alarm.”

“Falscher Alarm” klang gut. Das hatte er einmal irgendwo gelesen. Das sagte man doch so. Die mussten hier weg.

“Es tut mir Leid, aber wir müssen der Meldung nachgehen. Es könnte sich Kohlenmonoxid ausgebreitet haben. Das ist unsichtbar. Zum letzten Mal: Können Sie die Türe öffnen?”

Herr Hargst war gerade dabei sich eine wirklich gute Antwort zu überlegen, als sich die Lamellen der Jalousie auf der anderen Seite der Kabine mit einem elektrischen Summen langsam in Bewegung setzten. Die blendende Mittagssonne fiel auf den auf dem Boden kauernden Pförtner. Die zwei Feuerwehrleute, die vor dem Fenster standen, warfen einen flüchtigen Blick durch das Fenster. Sie sahen einen verschwitzten älteren Mann, der an ein Rohr gefesselt war und einen jämmerlichen und verwirrten Eindruck machte.

“Er hat eine Geisel!”, schallte es über die Einfahrt zum Klinikum. “Ich wiederhole: Er hat eine Geisel!”

“Wie konnte das Häuschen ihn so verraten?”, fragte sich Herr Hargst kurz bevor die Jalousielamellen wieder wie von Geisterhand zuklappten.

Fortsetzung folgt…



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