agata góralczyk : texte

Gretas Abenteuer (5)

“Ich heiße nicht Du, sondern Greta“, 
rief sie.
“Lars”, schnaufte der Junge gehetzt.
“Und jetzt los. Das Schwein entwischt uns sonst noch.”
Dem Schwein war von der Müdigkeit von eben gar nichts anzumerken. Schnell nahm es Reißaus und flitzte unter einem Bretterzaun durch. Lars und Greta standen enttäuscht vor dem Zaun.


“Was ist denn dahinter?”, fragte Lars.
“Weiß auch nicht so genau”, sagte Greta, die ein bisschen die Orientierung verloren hatte.
Dann hörten sie Geräusche: Gackern von Hühnern und das Fiepsen des kleinen Tieres.
“Das sind Hühner!”, rief Lars.
“Unser Schwein ist in Gefahr”, dachte Greta.
Frau Marthe hielt doch Hühner. Direkt am Rundweg wohnten die. Greta war schon öfters dort gewesen, um sie zu beobachten oder zu füttern. Lars war außer sich.
“Die Hühner tun dem Schweinchen bestimmt weh! Wir müssen etwas tun.”
Der Bretterzaun vor ihnen war ziemlich hoch. Hier würden sie bestimmt nicht rein kommen. Greta zog Lars am Ärmel:
“Los, ich weiß, wie wir da rein kommen.”
Greta kannte die Wege hier gut. Sie wusste jetzt auch wieder, wo sie waren. Die Kinder kletterten einmal über eine kleine Steinmauer auf der Seite und waren dann auch schon auf dem Rundweg. Dann rannten sie beide auf das Hühnergehege zu. Das Gackern wurde immer lauter. Sie hörten auch wie die Hühner mit ihren Krallen im Sand scharrten. Auf dieser Seite des Holzzauns war ein kleines Törchen. Lars rüttelte an dem Tor:
“Warte”, sagte Greta. “Ich weiß wie das geht.”
Sie bückte sich in das Gestrüpp neben dem Törchen und rollte einen großen Stein hervor. Lars Augen blitzten. Er verstand sofort, was Greta vor hatte. Zusammen hoben sie den Stein hoch. Alleine hatte Greta es noch nie geschafft, den Stein hoch zu heben. Aber mit Lars zusammen war das kein Problem. Sie ließen den Stein vor dem Törchen fallen.
“Lass mich”, sagte Lars. “Ich bin größer.”
Greta fand das ein bisschen doof, dass Lars sich jetzt so vordrängelte. Andererseits hörte sie das arme Meerschweinchen kläglich quieken. Lars klettere auf den Stein, streckte sich auf die Zehenspitzen und griff über das Törchen auf dessen Innenseite. Greta musste sich immer sehr anstrengen, um auf dem Stein balancieren zu können und dann gerade noch so an den Riegel zu kommen. Meistens brauchte sie mehrere Versuche. Lars war nicht nur größer, sondern hatte auch noch längere Arme. Direkt beim ersten Versuch hatte er das Törchen geöffnet. Das Brettertor schwang nach innen. Vor ihnen standen die großen, dicken Hühner von Frau Marthe in einem Kreis. Auch wenn sie Greta und Lars den Blick versperrten, wussten beide, was sich in der Mitte des Kreises befand: Das arme Meerschweinchen. Greta sah, dass Lars schluckte. Sie hatte anfangs auch immer Angst vor den Hühnern gehabt. Sie waren groß und konnten sich noch größer aufplustern. Sie hatten scharfe Krallen und spitze Schnäbel. Frau Marthe hatte ihr aber gezeigt, dass die Hühner eigentlich ziemliche Schisser waren. Greta drückte Lars einen Stock in die Hand und rief:
“Auf sie mit Gebrüll.”
Lars war noch ein wenig unsicher, aber als Greta nach vorne stürmte und mit ihrem Stock herumfuchtelte, fasste auch er Mut. Er stürzte sich mit nach vorne und sie schrien beide ganz laut:
“Weg ihr Hühner! Weg ihr Federvieh!”
Die erschrockenen Hühner stoben weit auseinander. Die kleineren rannten gackernd in das Hühnerhaus, die anderen einfach zur Seite. Der Kreis war gebrochen, das Meerschwein aus der Gefahr heraus. Schon wollten sie sich das Tierchen schnappen. Aber von ihrem Schreien und Fuchteln bekam auch das Schweinchen Angst und rannte mit einem lauten Quieks einfach nach links unter dem Maschendrahtzaun in den nächsten Garten. Entmutig ließ Greta den Stock fallen.
“Jetzt ist es aus. Das ist der Garten von Herrn Koselzki.”
Lars schaute sie verständnislos an.
“Wieso aus?”, fragte er. “Was ist mit diesem Kosetzki?”
“Das ist der Rosengarten von Herrn Koselzki. Der mag keine Kinder.”

Fortsetzung folgt…



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